Sozialraumorientierung im Groupwork

Vorbemerkung zu dem Artikel von Anne van Rießen

  1. Unterschiedliche Gruppen eignen sich die selben Orte und Räume im Stadtteil auf je eigene Weise an. Insofern ist der Kontext, oder mit Ruth Cohn der „Globe“ für eine Gruppe keinestatische Größe, sondern wird in der Gestaltung der Beziehung zum Raum und damit auch zu möglichen anderen Nutzern konstruiert. Hier definiert, oder konstruiert die Gruppe auch ihre Grenze. Das daraus potentiell auch Konflikte erwachsen können, liegt auf der Hand.
  2. Geeignetes Feedback zwischen Konfliktpartnern ist bei der Lösung ein fundamental wichtiges Instrument. Und Feedbacks sind dann am leichtesten vom Gegenüber anzunehmen, wenn sie vor allem Ich-Botschaften enthalten. Das bedeutet, wenn sie Auskunft über das eigene erleben geben und weniger die Bewertung und Erklärung des Verhaltens des Gegenübers vornehmen.
  3. Gruppen sind am ehesten in der Lage, Außenkontakte zu gestalten, wenn sie sich in der Phase der Pooperation befinden. Dazu sollten die internen Fragen um Einfluss und Rollen weitgehend geklärt sein. Wenn die Gruppenmitglieder hier Sicherheit empfinden, ist ein aufgeschlossener Kontakt mit andern Gruppen möglich. Sonst besteht die Gefahr, dass das Zusammentreffen mit anderen Gruppen dazu genutzt wird, die internen Strukturen und Machtverhältnisse durch eine Konfrontation mit Außen zu strukturieren. Provokation und Konfrontation können so zu Kohäsionsmitteln werden.
  4. Zirkulär betrachtet könnte ein gelingender Außenkontakt aber auch eine interne Entwicklung zu mehr Kooperation initiieren. Dann sollte innerhalb der Gruppe eine Akzeptanz von Vielfalt und Unterschiedlichkeit bestehen oder hergestellt werden. Diese Voraussetzung in der Gruppe könnte durch den Einsatz sozialräumlicher Methoden geschehen, die nicht mit dem Ziel einer gleichen Sicht, sondern mit dem Ziel der Sichtbarmachung von individueller Unterschiedlichkeit angewandt werden. Dabei erlebt sich die Gruppe als Ganzes, da sie sich bestätigt, wie sie Räume gemeinsam nutzen und die Gruppenmitglieder erleben, wie sie sowohl individuell unterschiedliche Nutzungen und Bewertungen von Orten und Räumen vornehmen können und doch als Gruppe gefestigt sind.
  5. Die gegenseitige Präsentation des eigenen Erlebens des Stadtteils kann Zuschreibungen auflösen, die der jeweils anderen Gruppe von außen angeheftet werden.